KALT ERWISCHT

Kaltes Wasser für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit

Ist es wirklich schon in der Früh? Zeit zum Aufstehen? Kinder und Frühstück herrichten? Baby versorgen? Haushalt? Arzttermin? ...Oh Gott! Ich brauche dringend noch eine Mütze voll Schlaf.

 

Mein ganzer Körper und mein Geist rebellieren dagegen, jetzt aufstehen zu müssen. Meine Augenlider sind schwer, meine Knochenschmerzen. Heute wird einer dieser Tage, an denen ich aufgrund meiner, bis zu den Kniekehlen reichenden Augenringe, ständig gefragt werde, ob es mir auch gut geht oder ob ich Hilfe bräuchte oder wir gerade eine schwierige Zeit hätten.

 

"JAAAAAA!" brülle ich innerlich. Ich habe zwei Kinder und ein Baby! Da hat man bekanntermaßen etwas weniger Schlaf...Ich würde gern mal meinen schön zurecht gelegten Spruch sagen: "Das sind keine Augenringe! Das sind Schatten großer Taten!"

 

Stimmt ja auch, oder? Tagtäglich vollbringen wir große Taten mit unseren kleinen Plagegeistern. Leider hab ich diesen Satz noch nie wirklich anwenden können. Die Leute sagen ja nicht ganz offensiv: "He du, deine Augenringe sind aber ziemlich unschön", sondern eher etwas in der Richtung (mit säuselnder, mitleidiger Stimme):"Du schaust aber gar nicht gut aus! Du Arme!"

 

Es ist ja ganz nett, wenn andere mitfühlend und empathisch auf meinen momentanen Zustand reagieren. Das hilft über diese Tage hinweg, die nur anstrengend sind. Besser aber als Mitgefühl zubekommen, wenn man sich sch... lecht fühlt ist, etwas an der Hand zu haben, das einen zumindest den Start in den Tag etwas erleichtert und ein Wohlgefühl erzeugt.

 

JAAAA! Ich hab so was an der Hand! Ihr glaubt mir nicht? Naja, wenn ich euch jetzt sage, was es ist, dann hört ihr wahrscheinlich auf zu lesen. Oder ihr denkt, 'da hab ich mir aber schon was Originelleres vorgestellt', oder ‚die hat ja einen Sprung in der Schüssel‘, was ich nicht so nett fände …Wenn ich auf der Suche nach Hilfe, nach Unterstützung, nach einem Kraftspender bin, hoffe ich auch immer etwas Magisches zu finden, etwas das mir sofort, nachhaltig und ohne viel Aufwand und Zeit hilft.

Ich glaube, ich muss damit warten bis meine Tochter erwachsen ist. Sie hat nämlich vor Fee zu werden und mir drei Wünsche versprochen...

Bis dahin werde ich wohl oder übel für mein Wohlbefinden selber was tun müssen.

Oft sind die einfachsten Dinge die wirkungsvollsten und auch am leichtesten in den Alltag zu integrieren. Sie haben jedoch einen Haken: sie wirken nur im vollen Ausmaß wenn sie regelmäßig und über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Also hier mein 'Zaubermittel'! Euch wird's kalt erwischen: die kalten Güsse nach Kneipp bzw. das gute, alte Wechselduschen.

 

Wasseranwendungen nach Sebastian Kneipp

Glaubt mir, es hilft. Ich bin sonst eher von der Sorte Mensch, der sich, selbst im Sommerurlaub, eine dicke Jacke und die Wollsocken von Oma einpackt - nur zur Sicherheit. Aber auch wir kälteempfindlichen Menschen können es schaffen kaltes Wasser über unseren Körper fließen zu lassen und auch wir können davon profitieren.

 

Wenn euch schon der Gedanke daran erschaudern lässt, dann wird es Zeit euch abzuhärten.

Ich habe in der warmen Jahreszeit damit gestartet, weil die Überwindung doch etwas geringer ist. Ich habe das Wechselduschen mittlerweile schon so in meinen Alltag integriert, dass ich hoffe auch im Winter dies beizubehalten. Das angenehm erfrischende und belebende Gefühl nach dem kalten Guss ist mir bereits so präsent, dass ich mich in der Früh mit Freude unter die Dusche stelle und das kalte Wasser aufdrehe. Aber natürlich erst, wenn ich ein paar Minuten warm geduscht habe.

 

 Der ganze Körper sollte gut durchwärmt sein bevor man mit dem kalten Guss beginnt. Zuerst ein paar Minuten warm duschen, dann ca. 20 Sekunden kalt, dann 1-2 Minuten warm. Den Abschluss bildet erneut ein kalter Guss ...... und du bist bereit für den Tag. Natürlich kannst du auch zu jeder anderen Tageszeit wechselduschen. Bei mir bietet sich der Morgen ideal an. Erstens brauch ich oft einen "Starter" in den Tag und zweitens ist es, wenn ich früh genug dran bin, die ruhigste Zeit am Tag. Wenn mein Babysohn bereits wach ist, nehme ich ihn einfach mit ins Badezimmer. Mit Vergnügen hört er die Mama unter der Dusche quietschen ...

 

Für den kalten Guss stelle ich den Duschkopf so ein, dass ein gebundener, fast druckloser Wasserstrahl herauskommt. So wird ein Temperaturreiz gesetzt, jedoch kein Druckreiz auf die Haut ausgeübt. Und es ist tatsächlich ein Unterschied. Probiert es aus! Fast jeder Duschkopf hat die Möglichkeit verschiedene Strahlarten einzustellen.

 

Wenn ihr kalt duscht, dann startet auf der rechten Seite. D.h. zuerst das rechte, dann das linke Bein - der rechte Arm, dann der linke Arm. Ob ihr bereits soweit seid, dass ihr Brust, Rücken und Gesicht mit einbezieht, müsst ihr selbst entscheiden. Doch ihr werdet sehen: je öfter und regelmäßiger ihr das macht, desto einfacher wird´s.

 

Was bringt die Hydrotherapie?

Das Wechselduschen gibt mir nicht nur den richtigen Kick für den Tag, es hat, laut Fachliteratur, auch zahlreiche andere positiven Effekte (und einige davon kann ich auch persönlich bestätigen).

 

Naheliegend ist die bessere Durchblutung. Die Gefäße werden durch wiederholte Kaltanwendungen trainiert und es kommt zu einer Abhärtung des Körpers gegenüber Kälte. Wer an kalten Händen und Füßen leidet hat mit den Kneipp´schen Anwendungen das richtige Werkzeug an der Hand.

 

Aber nicht nur die Abhärtung gegenüber Kälte ist eine Wirkung von Wasseranwendungen. Bedeutungsvoller für uns Mütter ist wohl die „Abhärtung gegenüber Stress“. Wem liegen nicht manchmal die Nerven blank, weil man einfach nicht mehr weiß was man zuerst machen soll: das Mittagessen fertig kochen, das weinende Baby beruhigen, zwischen den sich streitenden Geschwistern schlichten oder einfach „den Kopf in den Sand stecken“ und warten bis alles vorbei ist. Oft werden viele Dinge von uns gleichzeitig verlangt: kochen, putzen, trösten, spielen, waschen, einkaufen, aufräumen, singen, kuscheln,… und am Besten alles gleichzeitig. Kein Wunder wenn dabei der Adrenalinspiegel steigt und wir am liebsten losschreien würden. Oder davonlaufen. Oder streiken. Oder eben, aufgrund hoher Anforderungen an uns selbst, alles schaffen wollen und uns somit an den Rand unserer Leistungsfähigkeit bringen. Insbesondere dann, wenn wir uns dazwischen keine Ruhepausen gönnen.

 

Aber warum sollten Wasseranwendungen dabei helfen Stress zu reduzieren?

 

Folgende Erklärung: Bei Kaltanwendungen schüttet der Körper (insbesondere bei Kneipp-Anfängern) die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus (es wird eine günstige Stressreaktion ausgelöst). Stellt man sich konsequent mehrere Wochen lang täglich unter die kalte Dusche, ist der Anstieg dieser beiden Hormone deutlich geringer. Es erfolgt eine Anpassung. Auch hinsichtlich Stress und Ärger.

Wenn das kein Argument für kaltes Wasser ist!

 

Also – ab unter die kalte Dusche!

 

Literatur

Uehleke B., Hentschel H.-D.: Das große Kneipp Gesundheitsbuch; Mehr als nur Wassertreten: Ganz einfach gesund mit den 5 Behandlungsmethoden, 2014 TRIAS Verlag

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Kommentare: 2
  • #1

    Wolfgang E. (Sonntag, 25 September 2016 18:28)

    Ich liebe das Wechselduschen! Wirkt übrigens auch für Papas:)

  • #2

    qi-mum (Montag, 26 September 2016 10:42)

    Natürlich auch für Papis!!! Danke für die Anmerkung ;-)