KINDERGEBURTSTAG, ENERGIEKRISE UND KONSUMKAPITALISMUS

Oder: 4 energiesparende Möglichkeiten für einen Kindergeburtstag

Geburtstag ... ein Grund zu feiern!?

Jaaa, sicher! Aber nicht meinen eigenen!

Ihr meint, weil es mir schwer zu schaffen macht, dass ich älter werde?

Nein, jetzt noch nicht - in 40 Jahren vielleicht.

 

Geburtstag feiere ich schon länger nicht mehr. Meinen eigenen zumindest nicht. Zugegebenermaßen war ich diesbezüglich noch nie die große Partymaus. Seitdem ich jedoch Kinder habe, ist dieses Bedürfnis auf null gesunken. Denn mit drei Kindern feiere ich zukünftig 6x im Jahr Geburtstag. Warum 6x, fragt ihr euch bestimmt. Na, weil bei jedem Kind an mindestens 2 Tagen gefeiert wird: 1x feiern wir als Familie, 1x ist Kindergeburtstag angesagt.

 

Letzte Woche war gerade so ein Ereignis. Kind Nr. 1 hatte Geburtstag. Er ist sechs geworden. Das musste natürlich dementsprechend gefeiert werden. Eine große Minion-Kindergeburtstags-Party war der Wunsch des Sohnemanns. Die war am Samstag. Heute ist Dienstag und ich atme noch immer tief durch, um mir und meinem Körper, vollgepumpt mit Stresshormonen, zu verdeutlichen: Es ist geschafft... Schon alleine der Gedanke an Kindergeburtstage löst beinahe einen Schweißausbruch bei mir aus. Dabei freue ich mich ja aufrichtig mit und für meine Kinder, weil ich noch in Erinnerung habe wie schön ich selbst den eigenen Geburtstag fand. Mit Geschenken, Geburtstagstorte und eben auch mit der obligatorischen Kindergeburtstagsparty mit lustigen Spielen.

 

Ja, ja, das sind sie, diese nostalgischen Gedanken - trügerisch. Denn ich war eben das Kind und meine Mama hat geschuftet. Jetzt bin ich auf der anderen Seite...

 

So ein Kindergeburtstag ist prädestiniert dafür, mich an den Rande einer Energiekrise zu manövrieren. Anders als bei einer globalen Energiekrise, wird der Minions-Kuchen dadurch nicht teurer, aber trotzdem kann es mich/uns teuer zu stehen kommen. Der Ölpreis bleibt gleich, aber meine Energiekurve rutscht in den Keller und kann eine über Tage hinweg schlecht gelaunte Mama zur Folge haben. Also, muss mit den zur Verfügung stehenden Energiereserven schonend umgegangen werden.

 

Ihr denkt wahrscheinlich, die soll doch nicht so "rumsumsen". Andere haben schließlich auch Kinder und die werden ebenfalls jedes Jahr älter. Ja, ich bewundere alle Mamas und Papas, die so eine Geburtstagsparty locker schmeißen und dabei noch ein echt gemeintes Lächeln zeigen. Wie macht ihr das? Ganz ehrlich!? An den einzelnen Komponenten der Party könnte ich mich auch noch erfreuen. Zum Beispiel den Kuchen backen. Dieses mal hat mich in Bezug auf die Torte auch das Minions-Fieber gepackt und ich habe eine schöne Geburtstagstorte mit meinem Manne gezaubert.

Minion-Torte
Minion-Torte

Ja, stimmt. Das hätte ich auch einfacher haben können. Es gäbe sogar fertige Minions-Torten zu kaufen, aber die entsprachen nicht meiner Vorstellung. In diesen Fällen kommt mein "Teilzeit-Perfektionismus" zu Tage.

 

Naja, das backen der Geburtstags-Torte alleine macht mich nicht zur Kindergeburtstagsphobikerin. Auch mir Spiele zu überlegen und vorzubereiten lässt mich nicht davon laufen.

 

Es ist eher das Gesamtpaket das mich an Kindergeburtstagen abschreckt: Kuchen backen, Spiele ausdenken, Räumlichkeiten organisieren (bei uns zu Hause geht's nicht), Einladungen basteln, die Durchführung des Ganzen und danach noch das Aufräumen der Sauerei... Am meisten Energie aber verbrauchen ... na?

 

Genau! Die eigenen Ansprüche (einen super Artikel über die perfekte Mutter bzw. eben die hinreichend gute Mutter hat Patricia Cammarata auf ihrem Blog dasnuf geschrieben).

 

Eine, das Geburtstagskind glücklich machende, Geburtstagsparty braucht eigentlich nicht viel. Freunde, Geschenke und im Mittelpunkt stehen reichen eigentlich schon. Na, vielleicht noch der Geburtstagskuchen.

Statt mich darauf zu besinnen, verfalle ich der Vorstellung einer "SUPERPARTY" und gerate dabei nicht nur an den Rande einer Energiekrise sondern verfalle auch dem Konsumwahnsinn.

 

Minions, Minions, Minions, ... wohin ich schaue. Minions-Einladungen, -Servietten, -Strohhalme, -Teller, -Becher, -Give-aways und, und, und. Nie dagewesene Bedürfnisse sind plötzlich meine. Kindlich (kindisch?) und impulsiv rausche ich durch die Reihen der Einkaufsregale und lasse dem Konsumkapitalismus die Oberhand gewinnen, von dem ich mich gerade zum Deppen degradieren lasse. Bis ... ja, Gott-sei-dank ... ich gegen eine unsichtbare Wand renne und mit meinen überfüllten Armen an Minionsprodukten und dem anfänglichen Gefühl einer coolen Mutter, plötzlich über mich selber lachen muss und mehr als die Hälfte der Dinge in ihr Regal zurück stelle. Es ist irre, wenn man liest, dass 6-14-jährige Kinder in den USA Kaufentscheidungen der Eltern im Wert von rund 500 Milliarden Dollar beeinflussen (siehe Österreichischer Kinderschutzbund Sektion Wien)

 

Kinder gehören zur Konsumentengruppe Nr. 1. Der Markt für Kinderartikel ist der größte und zugleich am schnellsten wachsende. Kinderwerbung nimmt dadurch rasant zu. Ich bin sehr froh, dass ein großes Medium, das Werbung weiterträgt für unsere Kinder kein "Problem" darstellt: das Fernsehen. Wir haben dieses Gerät nicht und sind dadurch vor Werbung auf diesem Wege geschützt. Dass Werbung aber dennoch nicht halt macht vor uns sieht man an dem hochroten Kopf, mit dem ich zwischen den Regalen herumgelaufen bin und dabei verstört alle Minionsprodukte durchstöbert habe. Ich wusste zuerst nicht einmal, wer oder was diese Minions sind ... Soviel Einfluss haben die Wünsche unserer Kinder auf unser Kaufverhalten ...

 

Nichtsdestotrotz hatte mein Sohn mit seine Freunden einen Geburtstag, der ihm großen Spaß machte und ihn am Abend zufrieden und müde ins Bett sinken ließ. Mein Mann und ich verräumten noch den größten Teil der ganzen Sachen und ließen uns, auch zufrieden aber vor allem froh darüber es geschafft zu haben, den Prosecco schmecken. Es war ein gelungener Geburtstag. Trotzdem hoffe ich, dass mein Sohnemann bei seinem nächsten Geburtstag einen meiner Vorschläge für eine organisierte Geburtstagsparty cool findet.

 

Kind Nr. 2 hatte zu ihrem 4. Geburtstag eine Bio-Bauernhof-Party, die sie und mich dermaßen begeistert hat, dass nächstes Jahr wieder eine geplant ist. Ich musste, außer anwesend sein und Fotos knipsen, nichts tun. Nicht mal den Kuchen backen (näheres bei meinen Vorschlägen).

 

Bei organisierten Kindergeburtstagsparties fällt mir normalerweise nur "Geschäftemacherei mit Kindern" ein. Es ist ja tatsächlich so, dass Markenbindung bereits bei kleinen Kindern "passiert". Zwischen 2 und 3 Jahren speichern sich Kinder bereits Markenlogos ab. In den USA erkennen 3-jährige ca. 100 Markenlogos (siehe Österreichischer Kinderschutzbund Sektion Wien). Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 100!!!! Das sind die Kunden der Zukunft. Die sichert man sich so jung wie möglich.

 

Große Fast Food Ketten zum Beispiel wissen dieses Potenzial zu nutzen (aber nicht nur die): indem sie spezielle Produkte und Dienstleistungen für Kinder anbieten, wie zum Beispiel Kindergeburtstage! Zack - schon wieder ein Logo abgespeichert!!

 

Ich will jetzt nicht paranoid klingen oder eine Abhandlung über Konsumkritik schreiben, dennoch scheint es mir wichtig mich als Mama damit auseinanderzusetzen und mir bewusst zu machen wie vielen Einflüssen wir Eltern und unsere Kinder ausgesetzt sind.

 

Manche davon nehme ich wahrscheinlich gar nie bewusst wahr, manche kann ich mir bewusst machen, habe aber keinen Einfluss darauf. Bestimmte Prozesse aber kann ich lenken und hier muss ich aktiv werden. Ich entscheide zum Beispiel, wie mein Kind Geburtstag feiert!!

 

Hier also meine 4 Möglichkeiten einen Kindergeburtstag zu feiern, dabei Energie zu sparen und den Konsumkapitalismus dabei nicht die Oberhand gewinnen zu lassen:

1.) Geburtstag am Bio-Bauernhof

Kind Nr. 1 und 2 wurden von einem Kindergartenfreund zur Geburtstagsfeier eingeladen. Treffpunkt um 15:00 Uhr beim Bio-Bauernhof. ... Aha, das wusste ich nicht, dass man dort feiern kann! Es machte mich neugierig. Da Kind Nr. 3 jedoch müde war und schlafen wollte, gab ich meine Kinder dort ab und machte einen Spaziergang. Als ich etwas verfrüht wieder kam, verzierten die Kinder gerade selbst ihren Kuchen (ein einfacher Blechkuchen der von der Bäurin in der gewünschten Tierform - Hund, Kuh, Katze, Pferd - ausgeschnitten wurde und mit Schokoguss und Zuckerstreusel von den Kindern selbst verziert wurde). Zum Abschluss ging´s dann noch zum Heuhüpfen. Die Kinder waren begeistert. Ab diesem Zeitpunkt war für meine Tochter klar, wo sie ihre bald stattfindende Geburtstagsparty feiern wird. Ein paar Wochen später standen wir also wieder am Bio-Bauernhof Mesneranderlhof in Mutters bei Innsbruck (Link) und die Kinder freuten sich schon auf den spannenden Nachmittag: Traktor fahren, Schubkarren fahren, Hühner füttern und streicheln und herumtragen, Eier "ernten", Kuchen verzieren, Geschenke auspacken und Heuhüpfen. Es war ein voller Erfolg. Alle waren vollauf zufrieden. Besonders ich. Ein zufriedenes Geburtstagskind saß am Ende des Tages hinter mir im Auto, strahlte übers ganze Gesicht und plante bereits ihren nächsten Geburtstag am Bauernhof. Und ich ... ja, ich war gaaaanz entspannt und auch sehr zufrieden. Und das investierte Geld war keineswegs zuviel. Vor allem nicht, für das was wir bekommen haben.

 

2.) Geburtstag im Museum

Erst kürzlich waren Kind Nr. 1 und 2 zu einem Kindergeburtstag im Museum eingeladen. Auch dieses Mal holte ich durchaus zufriedene Kinder ab, die mir interessiert die Geschichte von Kaiser Maximilian und seinen beiden Frauen erzählten. Ich staunte nicht schlecht. Meine Kinder gaben mir nach einem Kindergeburtstag Nachhilfe in Geschichte, hatten keinen Zuckerschock (was sonst ja schon üblich zu sein scheint, wenn Kinder auf einem Geburtstagsfest waren) und waren auch sonst nicht aufgedreht. Auf meine abermalige Nachfrage, ob´s wirklich schön gewesen sei, antworteten beide sehr überzeugt: "JA!" Keine enttäuschten Gesichter über nicht vorhandene Give-aways oder Beschwerden darüber, dass die Hosentaschen nicht voll mit Zuckerln sind.

Also dann: Museum Goldenes Dachl

 

3.) Geburtstag im Atelier

Kind Nr. 1 liebt alles was mit Zeichnen, Malen, Basteln und Werken zu tun hat. Unsere Wohnung ist da nur begrenzt der richtige Ort dafür. Ehe man es sich versieht, wäre sie komplett "umdekoriert". Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einem passenden Ort, an dem Kind Nr. 1 seinen kreativen Eingebungen folgen kann. Wir haben ihn gefunden: das Atelier Farbenfroh.

Neben den Kunstkursen kann man dort auch Geburtstag  feiern: 2 Stunden künstlerische (und, wie ich weiß, auch liebevolle) Betreuung für bis zu 10 Kinder (Link) (ab 5 Jahren). Haben wir noch nicht ausprobiert, aber wir sind sehr interessiert.

 

4.) Geburtstag im Zoo

Tiere stehen bei Kindern immer hoch im Kurs (zumindest bei vielen). Ein Zoo ist also ein beliebter Ort bei Kindern. Eine Zeitlang war ich deshalb bis zu zwei Mal wöchentlich im Zoo. Irgendwann hatte ich genug davon. Mittlerweile ist etwas Zeit vergangen und meine Kinder stoßen nicht mehr auf ganz taube Ohren, wenn sie fragen: "Mamaaaa, gehen wir bitte in den Alpenzoo?" 

Und Geburtstag kann man dort auch feiern.

 

Das sind meine Vorschläge, die ich mir auch gut für meine eigenen Kinder vorstellen kann.

Für mich persönlich ist wichtig, mich immer wieder auf den Boden zurück zu holen und nicht in irgendwelchen Kindergeburtstags-Sphären herum zu schweben zwischen Piraten, Rittern, Feen, Minions, ... immer noch tolleren Motiv-Torten, Geschenken, Zeugs und Krims-Krams und einem Berg voll Süßigkeiten, sondern mich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist am Geburtstag eines meiner Kinder: es hoch leben zu lassen, ihm zu zeigen, wie wichtig er für seine Mitmenschen ist und wie schön der Tag seiner Geburt war. Und dazu, das wissen wir alle, müssen wir nicht das ganze Arsenal für Kindergeburtstage auffahren.

Hoch sollt ihr Leben, meine Kinder!

 

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