VATER, MUTTER, KIND UND DANN?

Beitrag zur Blogparade/mamasdaily.net

Quelle: pixabay.com
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"Mama, ich möchte, dass wir gaaaanz viele Kinder sind - wie bei den Barbapapas! Wie viele sind das?" fragt mein Sohn und sieht mich erwartungsvoll an.

 

"Auf jeden Fall zu viele!" kommt die Antwort von mir, schneller wie aus der Pfefferpistole des Räuber Hotzenplotz geschossen.

 

"Warum denn!" mein Ältester sieht mich enttäuscht an.

 

"Naja, mein Schatz, das ist so: irgendjemanden muss die Babys ja zur Welt bringen und das wäre in unserem Fall ich. Und das sind mir jedenfalls zu viele." versuche ich zu erklären.

 

"Aber von Anton die Mama hat ja auch ganz viele Kinder bekommen..." (der Freund von dem er spricht hat noch vier weitere Geschwister), hoffnungsvoll schaut mich Nr. 1 an.

 

"Jaaa,... schon. Aber bei uns wird es nicht so sein.."

 

 

Ja,wie ist das eigentlich? Braucht ein Kind Geschwister und wenn ja, wie viele wären dann ideal? Für wie viele wäre ich bereit meine Gebärmutter je neun Monate lang als zu Hause zur Verfügung zu stellen, um sie dann zu gebären (unter Schmerzen wohlgemerkt)??

 

Naja, bestimmt nicht für sieben Kinderlein (so viele sind es bei den Barbapapas). Das war und ist auf alle Fälle sonnenklar. Aber sollen es ein, zwei oder drei Kinder sein? Auch das war für mich vor dem ersten Kind relativ klar: zwei sollen es sein. Eins ist zu wenig, drei zu viel.

Woher ich das so genau wusste? Keine Ahnung. Wenn ich versuche mich zu erinnern, stoße ich auf Floskeln aus meinem (kindlichen) Umfeld: "EIN Kind? Das geht doch nicht. Da kommen doch nur diese verwöhnten Einzelkinder dabei raus." ODER: "Mehr als zwei Kinder ist doch der Wahnsinn. Wer kann sich das heutzutage schon leisten."

Solche und ähnliche Floskeln rumorten in meinem Unterbewusstsein und prägten mein Bild von Familie. Zudem bin ich auch in einer Zwei-Kind-Familie aufgewachsen. Also: zwei sollten es sein.

 

Hmm! ... dann wurde ich schwanger und mein Leben wurde aus den Angeln gehoben. Nicht von zwei oder drei Kindern, sondern von EINEM einzigen kleinen Wesen, das gerade mal ein paar Millimeter groß war und es sich in meiner Gebärmutter bequem machte. Es war für mich das Schönste ... und zugleich das Schwerste - eine Grenzerfahrung nämlich. Die Vorstellung, dass in mir ein neues Leben wächst - Wahnsinn, der Oberhammer!!! Und zugleich hatte ich das Gefühl, die Verantwortung für das ganze Universum laste auf mir. Puh!! Das war schon ein ganz schöner Brocken! Durch eine schwierige Schwangerschaft wurde dieser nicht leichter. Angst wurde zum vorherrschende Gefühl. Angst vor Verlust. Angst davor meiner neuen Verantwortung nicht gerecht zu werden. Diese starke Emotion schien von nun an meine Begleiterin zu sein.

 

Auch die Geburt war alles andere als einfach. Irgendwie schien dieses Gefühl der Angst zu einer Grundstimmung von mir zu werden.

 

Hatte ich mir das so vorgestellt? Will ich das ganze nochmal durchstehen? Soll ich ein solches Risiko ein weiteres mal eingehen? Braucht es zu unserem Glück noch ein Kind?

Das sind Fragen, die vage ihren Weg in mein Bewusstsein fanden. Aber ich ließ mich auf keine tiefere Auseinandersetzung ein.

Heute weiß ich, wenn ich länger gewartet hätte, mich diesen Ängsten hingegeben hätte, mit meinem Verstand diese Fragen beantwortet hätte, dann gäbe es Kind Nummer zwei und drei vermutlich nicht. Aber indem ich nicht lange darüber nachgedacht habe, blieben die Stimmen der Angst und Unsicherheit, die Stimmen die sagten "du bist wahnsinnig dich nochmal auf so was einzulassen", die Stimmen die flüsterten "sei froh, wenn du das mit einem Kind hinbekommst", ungehört und schon bald war Kind Nr. 2 unterwegs.

 

Obwohl es auch in dieser Schwangerschaft immer wieder Anlass für Ängste gab, erlebte ich sie besser. Ich wollte mich nicht beirren lassen, ich wollte die Angst nicht überhand gewinnen lassen. Ich wollte dieses Kind. Irgendetwas hat meinen Kampfgeist geweckt und ich spürte das, was ich beim ersten Kind schon sehr deutlich ahnte: Kinder fordern uns dazu heraus uns zu entwickeln, sie stacheln uns an, mit schwierigen Situationen umgehen zu lernen, auch wenn sie erst Winzlinge in unserem Bauch sind.

Und so wird es vermutlich das ganze Leben lang sein: Wir dürfen gemeinsam mit unseren Kindern wachsen  und stärker werden... Diese Herausforderung wollte ich annehmen.

 

Dieses "Ereignis" im Leben einer Frau - eine Familie zu gründen, schwanger zu sein und ein Kind zu gebären -  als reines Risiko einzustufen, wird diesem Wunder einfach nicht gerecht.  Ich wollte guter Hoffnung sein, wie man so schön sagt und keine Risikoabwägung betreiben...

 Und alles verlief gut: Kind gesund, Mutter wohl auf. Es war ein Stück Wiedergutmachung für die erste Schwangerschaft und Geburt. Wunden konnten heilen.

 

Vater, Mutter und zwei Kinder. Jetzt waren wir zu viert. Perfekt! Nun gab es noch ein Menschlein mehr zum lieben und geliebt werden, zum halten und gehalten werden. Für uns alle ein Gewinn: Wir entwickelten uns als Individuen und als Familie weiter. Klar, der Große wurde von seinem Thron gestoßen, aber der Schock war nicht dauerhaft. Er hat seit diesem Zeitpunkt eine Gefährtin, jemanden, der zu ihm hält, wenn Mama vielleicht mal ein ungerechtes Urteil fällt, jemanden, den er beschützen kann (auch wenn´s daheim oft kracht zwischen Nr. 1 und 2, gegenüber anderen verteidigt der Große seine Schwester mit Vehemenz), und er hat auch jemanden gewonnen, an dem er sich reiben kann, mit dem er sich auseinandersetzen muss, der ihn in seine Schranken verweist. Kinder lernen von Kindern. Viel mehr als wir Erwachsenen ihnen jemals beibringen können (ich meine jetzt vor allem in sozialer Hinsicht). Wobei es für gelungene Geschwisterbeziehungen auch Eltern braucht, die auf eben diese Geschwisterbeziehungen Acht geben. Denn es gibt durchaus Familien, in denen die Geschwister kein gutes Verhältnis zueinander haben und nicht für die Ewigkeit verbunden sind. Eine Schwester oder einen Bruder zu haben heißt nicht automatisch einen Freund für´s Leben zu haben. Es braucht auch einen entsprechendes Umfeld, um eine gute Beziehung aufbauen zu können.

 

Zwei Kinder also - Lebensplan in dieser Hinsicht erfüllt, sozusagen. ODER?

Um es vorwegzunehmen: Mein Mann und ich haben drei Kinder. Das entsprach nicht unserem Plan, aber wie jeder weiß: Vorstellungen und Pläne ändern sich.

 

Mit dieser Planänderung jedoch habe ich innerlich beinahe ein Jahr lang gekämpft. Soll heißen: als unsere Tochter nicht ganz zwei Jahre alt war, regte sich in mir der Wunsch nach einem weiteren Kind. Aber warum? Fragte ich mich. Es ist doch perfekt. Jetzt langsam wird alles entspannter...

 

Ja, WARUM? Ein Jahr lang kämpfte ich mit mir, meditierte, überlegte, kämpfte wieder. Bis ich meinem Gefühl nachgab, dass noch ein Kindlein ZU UNS WILL.  Und, Gott-sei-dank, mein Mann war auch bereit, sich noch einmal darauf einzulassen. Und nachdem Verstand und Gefühl abgewogen wurden und wir uns entschieden haben, hofften wir, dass wir dieses Glück ein weiteres Mal erleben dürfen.

Quelle: pixabay.com
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Ja, und jetzt sind wir eine fünfköpfige Familie, meistens glücklich und zufrieden. Wir gehören zusammen, halten zusammen so gut es geht und leben und lieben zusammen. Manchmal perfekt und manchmal eben weniger perfekt. Momentan fühlen wir uns vollständig. Denn zur Zeit sind es genügend verschiedene Bedürfnisse die gestillt werden möchten. Allen und allem immer zeitnah gerecht zu werden ist nicht möglich. Diesen Anspruch versuche ich auch abzulegen. Dennoch ist und bleibt es eine Herausforderung. Doch was wäre das Leben ohne diese...

 

Wir haben uns drei Mal für ein Kind entschieden und für uns ist es perfekt. Aber ich denke, ob ein, zwei oder drei Kinder oder vielleicht sogar eine ganze Barbapapa-Schar, egal wie viele Kinder in einer Familie sind - es sagt nichts darüber aus wie glücklich, zufrieden und "vollständig" sich diese Familie fühlt.

Für manche ist EIN Kind der Himmel auf Erden, für andere drei. Für manche ist es die Patchwork-Familie, für andere die Großfamilie oder vielleicht die Kinderlosigkeit. Jeder braucht Menschen die einen lieben und die man lieben kann, egal welcher Rahmen drum herum gezogen wird.

 

Wie seht ihr das? Wisst ihr ganz genau, wie viele Kinder ihr wollt oder seid ihr noch unsicher? Lasst ihr es einfach auf euch zu kommen oder versucht ihr zu planen? Was sind eure Beweggründe für eine große oder kleine Familie?

 

Das ist mein Beitrag zur Blogparade von Yvi von mamasdaily.net

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Yvi-mamasdaily (Samstag, 17 Dezember 2016 22:17)

    Wow...
    Ein fantastischer Beitrag...
    Am Anfang dachte ich.. genau so.. die gleichen Gedanken...
    Und dann kam der Moment an dem es mir ein Lächeln auf die Lippe zauberte, Kind Nr. 2, die Angst, Angst sein lassen! Vielen Dank, dass du mir damit Mut machst!

    Alles Liebe

    Yvi

  • #2

    qi-mum (Samstag, 17 Dezember 2016 22:46)

    Liebe Yvi!
    Danke für das schöne Thema!es hat mir Spaß gemacht zu schreiben!
    Liebe Grüße Bianca