SCOTTY, BITTE BEAMEN!!!

Oder, wenn der Alltag einfach anstrengend ist

Quelle: pixabay.com
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Flucht, Handlung oder Hingabe

Weihnachten war heuer wirklich schön und wir konnten es alle genießen. Auch Kind Nr. 1, gerade den schlimmsten Teil einer Bauchgrippe hinter sich, fand das Weihnachtsfest schön, obwohl er eher eine Spatzenmahlzeit von einem Kartöffelchen zu sich nehmen konnte. Auch Kind Nr. 2 und 3 waren (noch) am Weihnachtsabend von Krankheit verschont. Am nächsten Tag hat es aber auch sie erwischt. So sitzen wir nun am zweiten Weihnachtsfeiertag mit zwei kotzenden Kindern unterm Christbaum ...

Dieses Jahr hat eben der Winter eher schlecht als recht gestartet, nämlich mit kranken Kindern und krankem Mann. Seit Mitte November geht das nämlich so dahin. Mal abwechselnd. mal gleichzeitig. Von Pseudokrupp über Streptokokken hin zu Bauchgrippe. Nur ich bin Gott-sei-dank verschont geblieben, durfte dafür die kranke Schar versorgen. So dachte ich mir an manchem Tag:  "Scotty beam me up!"

Aber an Gelegenheiten diesen berühmten Satz aus Enterprise zu verwenden mangelt es ja im Familienalltag nicht:

Jaaaa ... wenn Babyboy seine Stimme in ungeahnter Lautstärke erprobt, Kind Nummer 1 und 2 sich gegenseitig anschreien und gleichzeitig mich davon zu überzeugen versuchen, dass der jeweils andere der Schuldige für was auch immer ist, auf der Herdplatte das Essen anzubrennen droht und mir die Zeit im Nacken sitzt, weil wir eigentlich schon wieder außer Haus sein müssten, dann fangen bei mir auf der Kommandobrücke die Warnleuchten an zu blinken und jemand schreit gaaanz laut: "Angriff der Klingonen." Ja dann, dann wäre ein Beamer wie auf der Enterprise wirklich Gold wert.

 

Es gibt so Tage die laufen irgendwie nicht richtig. Im Sinne von anstrengend, nervenaufreibend, einfach nur zum davonlaufen! Und das würde ich auch am liebsten tun - weit weg laufen oder eben beamen. Aber natürlich tu ich das nicht, geht ja auch nicht, will ich grundsätzlich ja auch nicht. Denn meine Schätze sind mein ein und alles, was aber eben nicht heisst, dass sie mich nicht manchmal an den Rande eines Nervenzusammenbruchs bringen. (Weg)laufen kann ich da nur beim meinem Lauftraining, aber das fällt meistens nicht mit den Situationen zusammen in denen ich es bräuchte. Laufen befreit mich und bringt Körper und Seele wieder in Fluss, aber als Akutstrategie ist es eher ungeeignet. Beamen hat bei mir auch nicht funktioniert.

Also was tun?

 

Wenn ich in solche Situationen komme, falle ich zumeist in einen, ich nenne es mal, blinden Aktionismus. Also in ein plan- und zielloses Handeln nur um des Tuns willen. Es führt nämlich zu nichts. Ich werde nur noch chaotischer, müder und gereizter. Meine Kinder werden noch quengeliger, lauter und nerviger. Und ich werde .... wahnsinnig ... die Spirale führt abwärts...

 

So, zuerst mal durchatmen - EIN - AUS!

Wo sitzt meine Genervtheit, meine Ungeduld, meine Müdigkeit, mein Zorn? Bei mir ist es meist die Brust. Dorthin atme ich ein paar mal.

 

Geht's mir dann schon wieder gut? Mitnichten!!! Aber es besänftigt ein wenig und ist die Einleitung für den nächsten Schritt: Slow-motion!!! Einen Gang zurück schalten und alles gaaaanz laaangsaaam machen! Klingt komisch? Ist es auch. Aber das ist ja der Gag. Wenn ich müde, genervt, ausgelaugt, zornig bin (alles keine sehr angenehmen Gefühle) dann stehe ich unter Stress. Und wenn ich gestresst bin dann werde ich schnell - zu schnell - und unkonzentriert und fahrig und überhaupt unausstehlich. Und dann motze ich. Und zwar mit meinen Kindern. Und weil ich dann gleich ein schlechtes Gewissen habe und mich darüber ärgere nicht souverän und pädagogisch korrekt mit meinen Kindern umgegangen zu sein, bin ich noch genervter. Und so geht das dann weiter.

 

Aber - probiert doch mal zu motzen und zu schimpfen, wenn ihr alles ganz langsam macht. Langsam und wütend passt irgendwie nicht und langsam und laut auch nicht... Also: Slow down!! Denn, sind wir ehrlich, man muss als Mama nicht in jeder Situation sofort und immer und schnell reagieren (außer es wird gefährlich für das Kind). Man kann gemächlich Situationen (vorerst zumindest) ignorieren: Wenn sich die Geschwister nicht gerade die Köpfe einhauen, dann können sie ruhig mal streiten und wenn´s mich akustisch stört, dann schiebe ich jedes sanft in sein Zimmer und schaffe mir etwas Freiraum bevor ich explodiere (oder gehe einfach selber in einen anderen Raum, wenn möglich). Oder die Schuhe liegen wieder kreuz und quer in der Garderobe? Mir wurscht! Dann steige ich einfach drüber und lass es egal sein, bevor ich lautstark mit einer Predigt loslege. Es geht einfach darum "Wind aus den Segeln zu nehmen".

 

Im Grunde sind es meine Erwartungen, die nicht erfüllt werden und dann negative Gefühle in mir auslösen. Ich möchte in Ruhe das Mittagessen zubereiten, damit meine Kinder (und ich) etwas gutes in den Bauch bekommen. Ich möchte, dass jeder seinen Beitrag leistet und sein Zeug selber verräumt, wie z.B. die Schuhe. Ich wünsche mir Frieden und Harmonie und dass meine Kinder zusammenhalten und nicht aufeinander losgehen. Ich wünsche mir zufriedene Kinder, die merken dass ich mir beinahe ein Bein ausreiße, um das ganze Familiending zu meistern. Ich bemühe mich allem/ allen gerecht zu werden und was schaut dabei heraus?

 

Aha ... Da haben wir das Problem: das sind ziemlich hohe Anforderungen an einen selbst und an die Kinder.

 

Auch wenn es überspitzt klingt, aber wenn ich kurz inne halte in solchen Situationen, dann merke ich, dass es genau diese Erwartungen sind, die mich so fertig machen.

Ja, dann muss ich von meinen Ansprüchen und Erwartungen etwas abrücken, anstatt mich ins (Burn) OUT zu manövrieren, denn insgesamt gesehen, ist eine entspannte Mutter überhaupt das Schönste und Beste, was den Kindern passieren kann.

 

Darum: Durchatmen, abbremsen und langsam gehen, Erwartungen überprüfen und AKZEPTIEREN.

 

JA - AKZEPTIEREN! ABSOLUTE HINGABE! NICHT´s TUN!

 

Wow - noch vor ein bis zwei Jahren wäre ich auf die Barrikaden gestiegen, hätte jemand das zu mir gesagt. "WAS - ich soll aufgeben?!? Es einfach sein lassen? Es gibt doch für alles eine Lösung!!"

Ja, genau! Es gibt für alles eine Lösung! Und in manchen Situationen liegt sie eben darin, sich einfach dem hinzugeben, sich nicht zu wehren, es so sein zu lassen! Es ist wie es ist!

 

Das habe ich erst bei meinem dritten Kind begriffen. Mein anfängliche Annahme, dass ich beim dritten Kind eh über alles Bescheid wüsste, wich bald der Erkenntnis: Ja, die Situation ein Baby zu haben ist vertraut. Es ist nicht mehr diese Unsicherheit da, die ich bei Kind Nr. 1 hatte, aber ... ABER: Jedes Kind ist anders! Und auch dieses Mal, bei Kind Nr. 3, kann ich nicht alles locker lösen und habe nicht für jedes Weinen, jedes Problem eine Strategie, die funktioniert. Ich muss probieren, überlegen und es manchmal (relativ oft) einfach so sein lassen.

"Wenn du dich hingibst, empfängst du mehr als du gibst" (Antoine de Saint-Exupery)
"Wenn du dich hingibst, empfängst du mehr als du gibst" (Antoine de Saint-Exupery)

"Der Weltraum - unendliche Weiten! Dies sind die Abenteuer des Raumschiff Enterprise.  ... Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."

 

Machen wir Eltern das nicht auch? In unerforschte Galaxien vordringen, Abenteuer bestehen, in den Abgrund unendlicher Weiten blicken (in unsere eigenen Abgründe), ...?

 

Naja, vielleicht ist dann auch die Möglichkeit des Beamens nicht mehr so weit?!?

 

Bis dahin probiere ich es mit oben genannter Strategie.

 

Was macht ihr an solchen Tagen?

 

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