VOM SCHIMPFEN ZUM VERSTEHEN- Wochenstarter #4

Letzte Woche haben mehrere Blogs das Thema "Schimpfen mit Kindern" aufgegriffen (hier und hier). Man könnte doch probieren mal ohne schimpfen auszukommen.

Als ich die Artikel las, fühlte ich mich sofort positiv angesprochen und gleichzeitig ertappt. Wie oft gehe ich mir selbst und den Kindern auf die Nerven, weil ich an manchen Tagen einfach nicht mehr aus dem Schimpfmodus raus komme.

 

Irgendwie werden an gewissen Tagen bestimmte Hebel und Knöpfe aktiviert und das Schimpfen hört einfach nicht mehr auf. Ich kann mich selbst nicht mehr hören. Dabei ist es nicht nur verletzend gegenüber den Kindern, sondern saugt auch unheimlich viel Energie und macht unzufrieden. Denn grundsätzlich sind unsere Kinder ja kooperationsbereit. Und grundsätzlich will niemand von uns Eltern wirklich schimpfen. In dem Moment glauben wir vielleicht es zu wollen, weil wir keinen anderen Weg sehen, überlastet, genervt oder überstrapaziert sind. Aber wenn wir die Wahl hätten zwischen Harmonie und Schimpferei würde sich, glaube ich, jeder für die Harmonie entscheiden. Wer will nicht besonnen und liebevoll mit seinen Kindern umgehen?

 

Warum entscheiden wir uns dann nicht gegen das Schimpfen?

Als ich auf Facebook die Aufforderung las: "Lasst uns doch ausprobieren einen Tag mal gar nicht zu schimpfen, auf die Gefahr hin, dass es funktioniert." (sinngemäße Wiedergabe) - war ich innerlich sofort dabei, fühlte mich angesprochen.

 

Doch gleichzeitig tauchten zwei Fragen auf:

  1. Was heißt es eigentlich "nicht zu schimpfen"? Was ist das Gegenteil von schimpfen und was mache ich stattdessen?
  2. Warum schimpfe ich eigentlich und was brauche ich um nicht zu schimpfen? Was macht es mir möglich nicht zu schimpfen?

Zuerst zur letzten Frage und meine Antwort darauf: Ich schimpfe weil ich müde und gereizt bin, weil ich Zuwenig Schlaf hatte oder weil mir alles Zuviel ist. Ich bräuchte dringend Ruhe und Erholung (Bedürfnis). Oder ich schimpfe, weil ich wütend bin, dass es nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle; weil ich das doch schon 100 Mal zu meinem Kind gesagt habe - jetzt müsste es das doch verstanden haben (Erwartung).

 

Egal was der Auslöser war. Dahinter steht immer ein Bedürfnis oder eine Erwartung. Für mich erscheint es deshalb wenig sinnvoll, mir vorzunehmen nicht zu schimpfen, solange ich nicht verstehe um was es wirklich geht. Es geht darum meine Bedürfnisse und Erwartungen aufzudecken und sie liebevoll anzunehmen. Das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung zum Beispiel kann ich schlecht jetzt sofort erfüllen, aber ich kann es wahrnehmen und mir bewusst machen, dass nicht mein Kind dafür verantwortlich ist, mein Bedürfnis zu erfüllen. Dafür bin ich selbst verantwortlich indem ich z.B. an diesem Tag früher ins Bett gehen (auch, wenn das evtl. mit anderen Bedürfnissen kollidiert ;-))

 

Wenn ich mit mir selbst verständiger und nachsichtiger bin, kann ich das auch leichter bei meinen Kindern sein.

 

Das führt mich zur Beantwortung der ersten Frage: Was mache ich statt zu schimpfen?

Das Verhalten ignorieren? Nichts tun? Einfach alles durchgehen lassen?

 

Das ginge natürlich auch! Aber ich persönlich sehe es als Mama als meine Aufgabe an, meine Kinder zu begleiten und  sie in ihrem Lernprozess zu unterstützen. Das heißt für mich u.a., ihnen eine Rückmeldung auf ihr Verhalten zu geben.

 

Was mache ich nun? Kommt natürlich ein Stück weit auf die Situation an. Sinnvoll erscheint mir die gleiche Vorgehensweise wie oben beschrieben. Denn auch bei unseren Kindern sind es verschiedenste Bedürfnisse, die sie antreiben. Wenn ich versuche das hinter dem Verhalten liegende Bedürfnis zu ergründen, dann nicht weil ich es unbedingt erfüllen will. Ich will vorerst nur VERSTEHEN. Ich muss nicht sofort handeln (schimpfen). Wenn ich verstehe erschließen sich womöglich andere Handlungsmöglichkeiten als schimpfen. Ich trete in Kontakt mit meinem Kind und versuche, vielleicht sogar gemeinsam, eine Lösung zu finden.

 

Leider gelingt mir dieser Weg noch nicht so oft wie ich gerne hätte. Oft bin ich einfach gestresst und tue unerwünschtes Verhalten mit Schimpfen ab. Aber ich bin Lernende. Das sollen auch meine Kinder wissen. Wenn mir noch während meiner Schimpferei bewusst wird in welchem Modus ich gerade laufe, versuche ich inne zu halten und auch gegenüber meinen Kindern zu artikulieren, dass das Gesagte nicht in Ordnung war bzw. WIE es gesagt wurde, dass es mich aber nervt, was gerade passiert ist und ich es gerne anders hätte.

 

Trotzdem gibt es oft genug diese Tage an denen ich mir wie ein "keifendes Waschweib" vorkomme. Ist ok so. Meine Kinder halten das bis zu einem gewissen Grad auch aus. Das traue ich ihnen zu. Ich bin nur eine Lernende ...