"Ich will, ich will, ich will ..." - Mama in der Trotzphase

Quelle: pixabay.com
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Es hat mich wieder überkommen: dieses Gefühl mich wild strampelnd und mit den Fäusten auf den Boden hämmernd niederzuwerfen und zu brüllen: "ICH WILL ABER ..."!

 

Ja, ich wäre auch gerne eine dieser bedächtigen und verständnisvollen Mamas, die  immer zugunsten ihrer Sprösslinge und ohne Murren und Maulen, ihre Bedürfnisse hintanstellen. Die gibt's doch, oder? Ich sehe sie überall. Zumindest sieht es nicht danach aus, als ob sie sich jeden Moment auf den Boden werfen - im Gegensatz zu mir.

Ich habe das Gefühl, jeder sieht, dass ich mich gerade wie ein trotziges Kind verhalten will. Ich schäme mich schon für den Gedanken, jetzt gleich loszubrüllen und mein Recht auf Bedürfnisbefriedigung einzufordern.

 

Ich will, ich will, ich will ...

 

Ich will endlich wieder eine Nacht durchschlafen und mich dann fit fühlen. Nein, ganz ehrlich: ich will eine gaaaanze Woche lang jede Nacht durchschlafen und dann habe ich immer noch nicht genug.

 

Ich will ins Bett gehen, wenn mir danach ist und nicht um 22:00 Uhr panisch auf die Uhr schauen, um dann schnell Zähne zu putzen und ins Bett zu gehen, nur um genug Schlaf zu bekommen, schließlich werde ich einige Male in der Nacht geweckt und morgen ist auch wieder ein Tag, an dem ich möglichst nicht zu müde sein sollte. Nein! Ich will ins Bett, wenn mir danach ist ... Vielleicht sogar erst um 00:00 Uhr - verwegen, oder?

 

Ich will meine Ruhe und einfach meinen Gedanken nachhängen. Nur ganz kurz - vielleicht auch etwas länger.

 

Ich will das machen, wonach mir gerade ist. Faulenzen, laufen, Berge erklimmen, den ganzen Tag im Bett liegen, ...

 

Ich will nicht, dass du schon wieder krank bist, ich hatte heute doch was anderes vor...

 

Ich will eine sich selbstaufräumende Wohnung - oder jemanden der das tut.

 

Ich will mich mal um nix kümmern müssen ...

 

Ich will, ich will, ich will ...

 

Nochmal auf den Boden hämmern, schreien, gegen das Tischbein treten, Haare raufen, Grimasse ziehen, ... (zumindest in Gedanken)

 

DURCHSCHNAUFEN - EIN - AUS!

 

Bin wieder in der Realität. In einer Realität in der das Mütter nicht tun. Ich meine, daran zu denken einen Trotzanfall zu haben, grantig, laut, schlecht gelaunt zu sein und ihre Bedürfnisse wichtig zu nehmen und darauf zu bestehen sie erfüllt zu bekommen -jetzt - gleich - sofort. Ich weiß natürlich, dass es das ist, was Erwachsene können sollten - wir müssen unsere Bedürfnisse manchmal hintenanstellen. Nicht nur, wenn man Kinder hat. Es ist nicht möglich (und erstrebenswert) immer sofort alle Bedürfnisse zu erfüllen. Das lernen wir bereits als Kinder: Unsere Bedürfnisse auch mal aufzuschieben, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu befriedigen. Das sagt mir auch meine Vernunft! Aber will ich jetzt vernünftig sein? Nein! Jetzt nicht! Jetzt nervt mich gerade alles und Trotz wühlt mich auf!

Ist das unvernünftig, sinnlos, verantwortungslos, kindisch,...? Ja! Wahrscheinlich! Mit Sicherheit! So WILL ich gerade sein.

 

Aber ich weiß auch, dass das Leben solche Phasen ebenfalls bereithalten würde , wenn mein Situation eine andere wäre! Wenn ich keine Familie, kein Kinder hätte! Und im selben Moment weiß ich dann auch, dass ich um nichts in der Welt tauschen möchte. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, auch wenn´s mir manchmal stinkt und ich mich auf den Boden werfen und laut "ich will" schreien möchte, auch wenn ich manchmal erschöpft bin und leer. Ich weiß einfach, dass mein Leben voller kleiner Leben und großer Herausforderungen ist, gefüllt mit Liebe, aber eben auch mit der Bandbreite der ganzen anderen Gefühle und das ist schön so. Es wärmt mein Herz!

 

Und trotzdem: heute schmeiße ich mich auf den Boden und schrei laut "ich will".